
In S/4HANA werden die drei Dispobereichstypen 01 (Werk), 02 (Lagerort) und 03 (Lieferant) unterschieden, auf denen jeweils unterschiedlich geplant werden kann.
Dieser Beitrag konzentriert sich auf den neuen Dispobereichstypen Lieferant. Warum braucht ein Lieferant einen Dispobereich? Um Bedarfe und Bestände im Rahmen der Lohnbearbeitung, umgangssprachlich auch Lohnbeistellung genannt, planen zu können.
Anders als in SAP ECC, erfolgt die systemseitige Abwicklung von Lohnbearbeitung- (LB-)Bestellungen in S/4HANA über Dispobereiche mit dem Dispobereichstyp 03 (Lieferant). Neben der Anlage der neuen Dispobereiche müssen auch Sonderbeschaffungsarten korrekt gepflegt, eine Fertigungsversion im Materialstamm angelegt und MRP-Sätze korrigiert werden.
Lohnbearbeitung kurz erklärt
Bei der Lohnbearbeitung liegt die Idee zugrunde, Komponenten eines Bauteils einem Lieferanten zur Verfügung zu stellen, um diese Teile zu einem bestellten Endprodukt zu fertigen oder zu montieren. Der Prozessablauf ist wie folgt:
1. Bestellung eines Materials mit Positionstyp „L“ beim Lieferanten
In den meisten Fällen wird ein Kopfmaterial einer Baugruppe/ Stückliste bestellt. Die Materialien der Stückliste (Komponenten) werden bei richtiger Stammdatenpflege in die Komponentenübersicht der Bestellposition übernommen.
- Bedarf über Komponenten
Durch die Bestellanlage und dem obligatorischen MRP-Lauf, erzeugen sich die entsprechenden Bedarfe. Im Dispobereich der Werksebene legt sich eine Reservierung zur Bewegungsart 541 (Warenausgang Lager an LB-Lief) an. Diese wird als Zugang und Umlagerungsreservierung im Dispobereichs des Lieferanten dargestellt. In dem Lieferantendispobereich ist außerdem der klassische und bekannte LB-Bed, Lohnbeistellungsbedarf, zu finden.
- Warenausgang der Beistell-Komponenten und Erzeugen des Lieferantenbeistellbestands
Es gibt die Bereitstellung mit und ohne Bestellbezug. Je nach Art der gewählten Beistellung kann der Prozess mit Warenausgangsbuchung oder normaler Umbuchung gestaltet werden. In jedem Fall wird der Abgang in unserem Fall im Werksdispobereich und ein Eingang im Lieferantendispobereich erfasst.
- Wareneingang des fertigen Endproduktes
Wird das Endprodukt fertiggestellt angeliefert, kann der Wareneingang zur Bestellposition gebucht werden. Mit der Wareneingangsbuchung werden der Lohnbearbeiterbestand und Beistellbedarf miteinander verrechnet. Ist nicht genügend Bestand einer Komponente vorhanden, kann der Wareneingang nicht gebucht werden. Ist Mehrbestand vorhanden, bleibt dieser als Restbestand im Dispobereich des Lieferanten bestehen.
Aufbau der Lohnbeistellung in S/4HANA
Es gibt wenig Informationen darüber, dass sich der SAP-Prozess in S/4HANA zur Lohnbeistellung ändert. Die Einführung von Lieferantendispobereichen ist keine Option, sondern notwendig, um die saubere dispositive Funktionalität nach dem Release aufrecht zu erhalten.
Auf dem Weg dahin können einige Fehler, Meldungen und Schiefstände auftreten, anhand derer die richtigen Einstellungen zur Lohnbeistellung folgend erläutert werden.
„Es werden keine beizustellenden Komponenten in die Bestellposition übernommen.“
Der Grund sind fehlende oder nicht aktive Fertigungsversionen des zu beschaffenden Materials. Wird diese gepflegt, werden alle Komponenten der Stückliste bei der Bestellanlage als beizustellende Komponente in die Bestellposition geschrieben.
„Die LB-Bedarfe und Lieferungen werden nicht korrekt angezeigt und die Differenzen stimmen nicht.“
Diese Fehlermeldung spricht für den fehlenden Dispobereich zum Lieferanten. Gemeint ist die in Abbildung 1 dargestellte Ansicht.
Der Knoten für die Definition von Dispobereichen zur Lohnbearbeitung existiert im Customizing, die Anlage erfolgt allerdings lokal über die Transaktion OMIZB. Hier muss für jeden Businesspartner/ Kreditor, über den eine Lohnbeistellung abgewickelt werden soll, ein Lohnbearbeiter-Dispobereich angelegt werden. Dafür muss unter „neue Einträge“ der Dispobereich und dessen Bezeichnung sowie das betreffende Werk eintragen werden. Anschließend in den Unterordner Lohnbearbeiter abspringen und auch hier „neue Einträge“ wählen. Unter „Dispobereich Lohnbearbeiter“ dann den Businesspartner/ Kreditor pflegen und speichern. Jeder Businesspartner/ Kreditor kann nur einmal als Lohnbearbeiter gepflegt werden. Eine Pflege des Dispobereichs auf Materialebene ist nicht notwendig.
Existieren bei der Anlage des Dispobereichs bereits Bedarfe, müssen diese in der OMIZB über den Button „MRP-Sätze für Dispobereich generieren“ oder über den Report PPH_SETUP_MRPRECORDS korrigiert werden, sodass beim nächsten Planlauf (im Dispositionsbereich des Lieferanten) die Bedarfe richtig geplant werden können. Bei beiden Vorgehen wird die Tabelle PPH_DBVM gepflegt.
Ist der Dispobereich angelegt, ergibt sich folgende Ansicht (siehe Abbildung 2), wie bereits in dem Prozessablauf angedeutet. Eine Reservierung im Hauptdispobereich auf Werksebene wird als Abgang aus dem Lager gezeigt. Diese ist als zugehende Umlagerungsreservierung im Dispobereich des Lieferanten zu sehen. Wird eine Lieferung zur Lohnbearbeitung angelegt, wird diese anstelle der Reservierungsnummer angezeigt.
Nach dem Buchen des Warenausgangs wird in der werksinternen Sicht der MD04 auch der Bestand im Lohnbearbeiter-Dispobereich dargestellt (siehe Abbildung 3). Von dort aus wird er nach der Wareneingangsbuchung der LB-Bestellung verbraucht.
„Mir fehlt die zentrale Übersicht zu Bedarfen und Beständen über alle Dispositionsbereiche.“
Dazu gibt es durch eine einfache Einstellung in der MD04 Darstellung die Möglichkeit die Bedarfe und Bestände in Dispobereichen wieder anzeigen zu lassen. Denn die Ansicht in den Abbildungen 1 bis 3 mit unterschiedlichen Reitern, ist keine Standardeinstellung.
Unter Einstellungen, Benutzereinstellungen den Reiter Materialgruppierung aufrufen. Ist dieser nicht zu finden muss im Customizing unter Produktion -> Bedarfsplanung -> Auswertung -> Materialgruppierung anzeigen das Flag bei „werksübergreifende Sicht anzeigen“ und „werksinterne Sicht anzeigen“ gesetzt werden. Nach dem Transport sollte der Reiter Materialgruppierung in den Benutzereinstellungen zu finden sein. Hier ist bei dem Dropdown-Feld „Anzeige Registerkarten für Gruppierungen“ „I Immer“ zu wählen. Zusätzlich sollte „Nicht-aggregierte verfügbare Menge“ und „Separate Dispobereiche“ angewählt werden. Nach dem Sichern werden in der MD04 selbst in der werksinternen Sicht (Werksint. Sicht) die Bedarfe und Bestände zu den LB-Dispobereichen wieder in einer Übersicht dargestellt.
Sind alle Einstellungen gepflegt und es erscheint trotzdem die Fehlermeldung „Material ist für den Dispobereich nicht vorgesehen.“ in der MD04 beim Wechseln in den LB-Dispobereich, lohnt es sich einen Blick in das Customizing der Sonderbeschaffungsarten zu werfen. In dem Stammdaten-Knoten der Bedarfsplanung können die Einstellungen für die Sonderbeschaffungsarten festgelegt werden. Hier sind die Sonderbeschaffungsarten 45 und 30 wichtig. Die erwähnte Fehlermeldung entsteht durch die falsche Pflege der Sonderbeschaffungsart 45. Das Werk der Gültigkeit der Sonderbeschaffungsart (WERK02) und das Werk der Sonderbeschaffung (WERKS) müssen den gleichen Eintrag haben.
Darüber hinaus lohnt es sich die Sonderbeschaffungsart 30, die Lohnbearbeitung, anzuschauen. Hier wird zur Beschaffungsart F, Fremdbeschaffung, die Sonderbeschaffung L Lohnbearbeitung definiert.
Fazit für Disposition ohne Stolpern
Die Herausforderung der Lohnbearbeitung in S/4HANA lässt sich ohne Hindernisse abbilden, wenn man diese schon im Vorfeld kennt. Dispobereiche korrekt anlegen, Bedarfsplanung korrigieren, Sonderbeschaffungsarten richtig einstellen, MD04-Darstellung anpassen und Fertigungsversionen anlegen und aktivieren. Fertig! Sollten noch Fragen offen sein, einfach schreiben an sapberatung@inwerken.de. Unser Beratungs-Team meldet sich gerne bei Ihnen!
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