
– Rheinmetall und Destinus kündigen Gründung des Joint Ventures „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ an
– Unternehmen wird sich auf Produktion fortschrittlicher Marschflugkörper und ballistischer Raketenartillerie spezialisieren
– Sitz des Unternehmens in Unterlüß, Niedersachsen
Der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall und das europäische Verteidigungsunternehmen Destinus mit Sitz in den Niederlanden und mit Schwerpunkt auf skalierbaren Angriffs- und Abfangsystemen haben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens vereinbart. Ziel der beiden Partner ist es, das Joint Venture „Rheinmetall Destinus Strike Systems“ in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu gründen. Dieses wird fortschrittliche Raketensysteme herstellen, vermarkten und liefern. Dazu gehören Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie. Rheinmetall wird 51 Prozent der Anteile halten, Destinus 49 Prozent. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen.
Im Rahmen der Partnerschaft beabsichtigen Rheinmetall und Destinus, Marktchancen zu nutzen und moderne Raketensysteme weiterzuentwickeln. In vereinbarten Märkten und vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen wollen sie innovative Lösungen für Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie anbieten und bestehende Produktportfolios stärken.
Destinus behält seinen Hauptsitz in den Niederlanden und wird auch weiterhin Kernsysteme und Komponenten in seinen niederländischen sowie weiteren europäischen Betrieben entwickeln und fertigen. Das Joint Venture erweitert die Qualifizierungs- und Serienproduktionskapazitäten in den deutschen Industrieanlagen von Rheinmetall.
Armin Papperger, CEO von Rheinmetall, sagte: „Wir müssen die industrielle Basis für moderne Verteidigungssysteme in Europa ausbauen. Dieses Joint Venture spiegelt diese Notwendigkeit wider. Wir verbinden die Produktionskapazitäten und die Erfahrung von Rheinmetall im Management von Großprogrammen mit der spezifischen Technologie und dem Systemdesign von Destinus. Damit legen wir den Grundstein für skalierbare, einsatzfähige Raketen, die auf die aktuellen Anforderungen der europäischen und verbündeten Streitkräfte zugeschnitten sind.“
„Europa tritt in eine neue Phase der Skalierung der Raketenproduktion ein”, fügte Mikhail Kokorich, Mitbegründer und CEO von Destinus, hinzu. „Moderne Konflikte sind durch Volumen und Kosten pro Wirkung definiert. Raketensysteme entwickeln sich von Systemen, die in begrenzter Stückzahl hergestellt werden, zu Industrieprodukten. Die eigentliche Einschränkung in Europa ist heute nicht die Nachfrage, sondern die industrielle Kapazität.“
Jüngste Konflikte, unter anderem in der Ukraine und im Nahen Osten, haben gezeigt, dass die Nachfrage nach skalierbaren Angriffssystemen nicht mehr in begrenzten Stückzahlen gemessen wird. Stattdessen sind zunehmend Tausende Systeme pro Jahr gefragt, im Laufe der Zeit potenziell zehntausende, sofern sich die Beschaffung in Europa und bei den Verbündeten entsprechend anpasst. Dies bedeutet kurzfristig eine Marktchance im Bereich von Hunderten von Millionen Euro und langfristig ein Potenzial im niedrigen Milliardenbereich.
Die Partnerschaft verbindet die kampferprobte Systemarchitektur, das Produktdesign und die Entwicklung skalierbarer Plattformen von Destinus – einschließlich von Systemen, die sich bereits in der Ukraine bewährt haben – mit der industriellen Größe, den Qualifikationskapazitäten und der Fertigungskompetenz von Rheinmetall als führendem deutschen Verteidigungsunternehmen. Destinus entwickelt und fertigt Marschflugkörpersysteme und Turbostrahltriebwerke und verfügt über ein etabliertes Serienproduktionsprogramm in Europa, mit dem derzeit über 2.000 Marschflugkörpersysteme pro Jahr hergestellt werden. Rheinmetall bringt seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Produktion komplexer Verteidigungssysteme, eine industrielle Präsenz in Deutschland sowie umfangreiche laufende Investitionen in eine eigenständige, skalierbare Verteidigungsproduktion ein. Gemeinsam werden die Partner industrielle Kapazitäten für die Serienfertigung und Qualifizierung in Deutschland schaffen und damit europäischen Souveränitätszielen sowie den Anforderungen des NATO-Bündnisses entsprechen.
Das Joint Venture wird sich auf die Fertigung, Montage, Erprobung und Auslieferung fortschrittlicher Marschflugkörpersysteme konzentrieren. So wird es dazu beitragen, die Bereitstellung eines speziell für diesen Zweck entwickelten Raketensystems zu beschleunigen und die Anforderungen nationaler und internationaler Kunden zu erfüllen.
Das Unternehmen wird einen breiten internationalen Markt in Europa sowie ausgewählte Partnerländer innerhalb des NATO-Bündnisses adressieren. Für einzelne Schlüsselmärkte kann die Einbindung lokaler Industriepartner in Betracht gezogen werden. Beide Unternehmen werden ihr regionales Fachwissen und ihre Marktkenntnisse einbringen, um geeignete Vertriebsstrukturen zu definieren und nachhaltiges Wachstum in relevanten Marktsegmenten voranzutreiben.
Diese Initiative spiegelt einen umfassenderen Wandel in der modernen Kriegsführung wider: Die Fähigkeiten für Angriffe aus der Distanz entwickeln sich von überwiegend drohnenbasierten Ansätzen hin zu schnelleren, widerstandsfähigeren und industriell skalierbaren Marschflug-körpersystemen. Mit diesem Joint Venture wollen Rheinmetall und Destinus die Lücke zwischen den Anforderungen Europas sowie der Ukraine und den Möglichkeiten der europäischen Verteidigungsindustrie schließen – und zwar in großem Maßstab und im industriellen Tempo.
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