Klärschlamm als verkannter Rohstoff

14.355 LKW mit Heizöl können jährlich durch die menschliche Ressource Klärschlamm eingespart werden. Über nachhaltige Möglichkeiten der energetischen Verwertung wurde mit Vertretern auf Kommunaler, Landes-, Bundes- bis hin zur EU-Ebene bei der Firma i+M GmbH & Co.KG in Balingen-Zillhausen diskutiert.

Mit Blick auf die erneuerbare Energiequelle Klärschlamm hatten i+M-Geschäftsführer Richard Zizmann, Melanie Volm und Kristina Pointner von Drynamic Concept GmbH zum Gespräch eingeladen. Neben Norbert Lins, Mitglied des Europäischen Parlaments und Thomas Bareiß aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ergänzte die Landsagentur Umwelttechnik BW mit Geschäftsführer Hannes Spieth und Jürgen Schmidtke sowie der Balinger CDU-Stadtverbandsvorsitzender Joachim Rebholz die Gesprächsrunde.

Als größter Energieverbraucher der Kommune sei die Kläranlage mit dem Abfallstoff Klärschlamm symbolisch leider das ungeliebte Stiefkind, stimmte Volm die Gäste ein und ergänzt: „Klärschlamm hat leider ein schlechtes Image.“
Dabei hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel Positives entwickelt. So nutzen 44% der Trocknungsanlagen in der BRD Sonne und Restwärme um Klärschlamm CO2-neutral bis auf Ersatzbrennstoffqualität zu trocknen. Dieser Entwicklungsvorsprung sorgt dafür, dass die Experten von i+M international angefragt werden und Umwelt- und Abwasserministerien aktiv beraten.


Auf die Frage von Thomas Bareiß, wie Baden-Württemberg im Bereich der Innovationen aufgestellt sei, erklärte Hannes Spieth: „Wir sind auf einem guten Weg. Wichtig ist es, innovationsoffen zu bleiben, Entwicklungen langfristig zu betrachten und ehrlich zu bilanzieren.“ Alte und neue Technologien und Verfahren sollten im Hinblick auf Umweltschutz und Ressourceneffizienz kontinuierlich betrachtet werden. Dies gelte auch für das Nährstoffrecycling aus Klärschlamm, ergänzte Jürgen Schmidtke und besprach mit Norbert Lins die Möglichkeiten für die Phosphorverwertung insbesondere auch in der Bio-Landwirtschaft.

Der Ausbau von Mono-Verbrennungsanlagen für die Nassverbrennung stand im Zentrum des Treffens. In Bezug auf die Verfolgung der Klimaziele, laut Zizmann, eine drastische Rolle rückwärts. Zur Veranschaulichung der Problematik präsentierte der Gastgeber zwei Glassäulen mit vier Kohlebriketts und unterschiedlichen Wasserständen. „Welchen Kohlebehälter würden Sie zum Heizen verwenden? Den, in dem die Kohle in rund acht Litern Wasser schwimmt oder den mit nur 0,2l?“ fragte Richard Zizmann in die Runde.

Zizmann verwies diesbezüglich auf fundierte Zahlen. 217Mio.€ netto in Form von 14.355 LKW könnten jährlich durch die “Erneuerbare Energiequelle Mensch“ an Ölimporten in Deutschland eingespart werden; weltweit immerhin 135 Supertanker weniger Öltransporte. Aus diesem Grund liefen auch intensive Gespräche mit großen Energieversorgern und diesbezügliche Versuche mit Trockenklärschlamm. „Was fehlt, sind politischen Grundlagen, welche neben der stofflichen auch die energetische Nutzung von Prozessen priorisieren. Im Moment steht beim Klärschlamm das P-Recycling an erster Stelle und die Energie dahinter,“ bemängelt Zizmann und schlägt auch den Bogen zum aktuellen Thema CoV. „Die Volltrocknung von Klärschlamm minimiert das Risiko von Infektionen.“

Kristina Pointner hob zudem Vorteile regionaler Lösungen hervor. Ihre Firma Drynamic Concept GmbH bietet Betreibermodelle zur dezentralen Klärschlammtrocknung und –verwertung an.
„Kooperationsverbände zur Realisierung von Großprojekten binden Kommunen über Vertragslaufzeiten von bis zu 25 Jahren. Den Mitgliedern wird die Möglichkeit genommen flexibel auf Ereignisse zu reagieren. Preise und politische Rahmenbedingungen können sich ändern, Technologien werden weiterentwickelt, Kommunen geraten in finanzielle Schieflage,“ gibt sie zu bedenken.

Da Klärschlamm immer anfällt und behandelt werden muss, hat die Kommune einen Entsorgungsauftrag zu erfüllen, egal ob es gut oder schlecht läuft. „Mit dezentralen Verwertungslösungen wie dem neuen SCS Multilevel von i+M im Container-Baukastensystem installieren wir eine flexible Anlage am Wärmestandort. Die Kommune trocknet lokal und der örtliche Biogas-Landwirt oder der Industriebetrieb vermarktet seine Wärme entsprechend KWK-Anforderungen. Übrig bleibt ein Energieträger der im Winter das Rathaus oder die Schule beheizt. Die Technologie hierzu gibt es.“ Auf eine solche dezentrale Lösung in Form der Trocknung und Pilotanlage Vergasung auf der Kläranlage Balingen wies Joachim Rebholz hin.

Jürgen Schmidtke konnte diesbezüglich mit Neuigkeiten aus seiner Landesagentur aufwarten. Er teilte mit, dass das Umweltministerium an einem Wärmeatlas über freie Wärmequellen arbeite. „Das ist genau das, was seit Langem gefehlt hat!“, freute sich Richard Zizmann über die Nachricht.
In Bezug auf die Beendigung der EEG-Förderung für Biogasbetriebe ersuchten die Gastgeber die Politik, Betriebe mit einer nachgewiesenen Wärmenutzung als schützenswert einzugruppieren. Diese trügen im ländlichen Raum in nicht unerheblichem Umfang zur Strukturstärke bei.

Sowohl Thomas Bareiß MdB als auch Norbert Lins MdEP zeigten sich sehr beeindruckt von der energetischen Nutzung von getrocknetem Klärschlamm und auch die große internationale Nachfrage nach dieser nachhaltigen Technologie aus Balingen. „Genau diese technologische Weitsicht ist es, die in unserem kleinen und mittelständischen Unternehmen voran getrieben wird, die das Rückgrat unseres baden-württembergischen Mittelstands ausmacht, und die den Standort Deutschland in der Energiewende aber auch der Entwicklung von Zukunftstechnologie zum Vorreiter macht“ sagte der Staatssekretär Thomas Bareiß. Beide Politiker boten an, klein- und mittelständische Unternehmen mit innovativen Verfahren sowohl auf Bundes- als auch auf europäischer Ebene zu unterstützen.

Dass in dem Balinger Teilort wirklich internationale Kompetenz in Sachen Klärschlammverwertung zu Hause ist, davon konnten sich die Teilnehmer im Laufe des Gesprächs selbst überzeugen.

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