
Seit dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). Mit ihr verändern sich nicht nur die Anforderungen an Verpackungen. Auch Entscheidungen rund um deren Gestaltung und Kennzeichnung müssen unter zusätzlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Etiketten haben sich über Jahrzehnte als flexible und wirtschaftliche Lösung etabliert. Sie lassen sich einfach bedrucken, auf unterschiedlichen Verpackungen einsetzen und zuverlässig in bestehende Prozesse integrieren. Bei der Auswahl standen deshalb häufig praktische Kriterien im Vordergrund: Was kostet die Kennzeichnung? Wie gut haftet sie? Wie robust ist sie bei Lagerung und Transport?
Diese Kriterien bleiben wichtig. Die PPWR erweitert die Betrachtung jedoch um zusätzliche Aspekte wie Materialkombinationen, Recyclingfähigkeit, Stoffbeschränkungen und die zugehörige Dokumentation.
Mit der PPWR wird auch die Kennzeichnung Teil der Verpackungsbewertung
Ein Klebeetikett ist mehr als die darauf sichtbare Information. Mit ihm kommen zusätzliche Materialien auf die Verpackung: Etikettenmaterial, Klebstoff und Druckfarbe sowie je nach Aufbau weitere Beschichtungen.
Damit stellt sich neben der bisherigen Frage „Hält das Etikett zuverlässig?“ zunehmend auch die Frage:
Wie wirkt sich diese Materialkombination auf die Verpackung und deren Recyclingfähigkeit aus?
Bei einer Kartonverpackung kann beispielsweise relevant sein, wie sich Etikett und Klebstoff im vorgesehenen Recyclingprozess verhalten und ob störende Bestandteile ausreichend vom Faserstoff getrennt werden können. Bei Kunststoffverpackungen können wiederum andere Anforderungen an Etikettenmaterial, Klebstoff und Trennbarkeit gelten.
Die Entscheidung für eine Kennzeichnungslösung wird dadurch mehrdimensionaler. Zu klassischen Kriterien wie Preis, Haftung und Robustheit kommen Materialkombinationen, Recyclingfähigkeit, Stoffbeschränkungen, Nachweise und Dokumentationsaufwand und Variantenmanagement hinzu.
Besonders relevant wird dies für bei Unternehmen, die unterschiedliche Verpackungsmaterialien und -varianten einsetzen. Eine für Karton geeignete Etiketten- und Klebstofflösung muss nicht automatisch auch für eine Kunststoffverpackung geeignet sein. Mit weiteren Kombinationen können zusätzliche Materialinformationen, Bewertungen und Aufwände für Freigabe, Dokumentation und Konformitätsbewertung notwendig werden.
Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Kennzeichnungslösung aussieht, kann dadurch in der Gesamtbetrachtung komplex werden.
Das führt zu einer grundsätzlichen Frage:
Muss die Kennzeichnung überhaupt als zusätzlicher Bestandteil auf die Verpackung aufgebracht werden?
Etikett und Direktdruck: zwei unterschiedliche Ansätze
Genau an diesem Punkt wird der Unterschied zwischen Klebeetikett und Direktdruck relevant.
Ein Klebeetikett wird als zusätzlicher Bestandteil Verpackungsbestandteil auf eine bestehende Verpackung aufgebracht. Etikettenmaterial, Klebstoff und Druckfarbe bilden damit einen zusätzlichen Aufbau, der zusammen mit der Verpackung berücksichtigt werden muss.
Beim Direktdruck wird dagegen kein separates Kennzeichnungsmedium aufgebracht. Die Tinte wird direkt auf einen bereits bestehenden Verpackungsbestandteil gedruckt.
Auch dieser Tintenauftrag muss bei der Bewertung der fertig bedruckten Verpackung berücksichtigt werden. Die Ausgangslage ist jedoch eine andere: Statt einer zusätzlichen Kombination aus Verpackung, Etikettenmaterial, Klebstoff und Druckfarbe wird die bestehende Verpackung einschließlich des definierten Tintenauftrags betrachtet.
Gerade im Hinblick auf die PPWR kann dieser Unterschied relevant sein. Weniger zusätzliche Komponenten können weniger Materialkombinationen, weniger Varianten und damit einen geringeren Dokumentations- und Bewertungsaufwand bedeuten.
Wo das Etikett hauptsächlich als Informationsträger dient, lohnt sich deshalb ein Vergleich der beiden Kennzeichnungsarten.
Direktdruck ist nicht neu – die Bewertung verändert sich
Direktdruck ist keine neue Technologie. Industrielle Inkjet- und Codiersysteme sind seit vielen Jahren in automatisierten Produktions- und Verpackungslinien etabliert.
Für kleinere Stückzahlen, wechselnde Verpackungsformate oder manuelle Packprozesse waren solche Systeme klassische Direktdrucksysteme jedoch häufig wirtschaftlich oder technisch überdimensioniert. Fest integrierte Inline-Systeme bringen neben der eigentlichen Drucktechnik meist zusätzlichen Integrations-, Peripherie- und Projektaufwand mit sich.
Genau deshalb war das Etikett für viele Anwendungen lange der naheliegende Mittelweg: flexibel, vergleichsweise einfach einsetzbar und ohne umfangreiche Maschinenintegration nutzbar.
Viele Unternehmen kennen daher vor allem zwei Wege: Etiketten für flexible Anwendungen und fest integrierten Direktdruck bei hohen Stückzahlen und automatisierten Prozessen.
Dazwischen gibt es jedoch eine dritte Möglichkeit.
Mobile Direktkennzeichnung schließt die Lücke
Mobile Direktdrucksysteme ermöglichen industriellen Direktdruck, ohne dafür eine komplette Produktions- oder Verpackungslinie umbauen zu müssen.
REINER setzt genau in diesem Bereich an. Mobile Kennzeichnungsgeräte können direkt am Packplatz oder an der jeweiligen Verpackung eingesetzt werden. Variable Texte, Chargen- und Seriennummern sowie 1D- und 2D-Codes wie Barcodes und QR-Codes lassen sich unmittelbar auf geeignete Verpackungsoberflächen aufbringen.
Damit wird Direktdruck auch für Anwendungen interessant, bei denen eine klassische Inline-Integration bislang keine wirtschaftliche Alternative zum Etikett war – beispielsweise bei wechselnden Verpackungsformaten, kleineren und mittleren Stückzahlen, manuellen Packprozessen oder dezentralen Arbeitsplätzen.
Neben der Drucktechnik wird unter der PPWR auch die Dokumentation der eingesetzten Materialien relevant. Für ausgewählte REINER Inkjet-Tinten liegen daher Statements zu Stoffbeschränkungen gemäß Artikel 5 der PPWR vor. Diese stellen Informationen zum jeweiligen Untersuchungsumfang bereit und können Unternehmen bei der Bewertung ihrer konkreten Verpackungsanwendung unterstützen.
Ob eine fertig bedruckte Verpackung die jeweils relevanten Anforderungen der PPWR erfüllt, muss weiterhin für den konkreten Anwendungsfall bewertet werden. Direktdruck ist daher nicht automatisch die richtige Lösung für jede Verpackung.
Die PPWR macht Direktdruck damit nicht zu einer neuen Technologie. Sie verändert vielmehr die Kriterien, unter denen sich ein erneuter Blick auf diese Technologie lohnt.
Weitere Informationen:
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