
Der 22-Jährige brennt schon immer für sein Handwerk. „Ich habe ein Praktikum gemacht und bin seither nicht mehr davon losgekommen.“ erklärt er lächelnd. Im September steht für ihn ein absolutes Highlight an: Er vertritt Deutschland bei den Berufsweltmeisterschaften „WorldSkills“ in Shanghai. Auf diesen Wettkampf bereitet Dorer sich minutiös vor – neben dem Beruf. „Im vergangenen Jahr sind grob 800 bis 1.000 Stunden in die Vorbereitung geflossen“, erläutert der Zimmerer. Dafür geht viel Freizeit drauf: „Ich trainiere fast jeden Abend. Ich habe aber auch einen Chef, der mich absolut fördert“, sagt er. „Von dem habe ich noch nie ein ‚Nein‘ gehört, wenn ich gesagt habe, ich sollte da trainieren.“
Für Zimmerermeister Mathias Fürderer ist diese Unterstützung selbstverständlich. „Er kriegt die Freizeit, die er braucht oder auch mal Unterstützung beim Material“, berichtet der Inhaber der Zimmerei Fürderer. „Es ist vermutlich einmalig, dass jemand im Betrieb einen solchen Erfolg hat. Er ist zwar viel weg, aber das toleriere ich.“ Die fachliche Unterstützung auf höchstem Niveau kommt unter anderem auch vom Fachverband der Zimmerer. „Handwerklich können die anderen und ich hier im Betrieb ihm nichts mehr beibringen“, lacht der Chef.
Dorer ist nicht der einzige Vorzeige-Zimmerer der Firma. Mehrere Innungssieger, Kammersieger und Preisträger hat Mathias Fürderer schon ausgebildet. Und auch der bester Zimmerermeister des vergangenen Jahrgangs im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg hat bei Fürderer gelernt. Das Weitergeben von Wissen und Know-how ist in Fürderers Augen wesentlicher Teil des Berufslebens. „Wir haben ein sehr gutes Team, die Azubis können in viele Bereiche reinschauen und viel mitnehmen. Das hat meiner Meinung nach einen großen Anteil an den vielen Preisträgern bei uns“, so der 47-Jährige.
Florian Dorer kommt aus Furtwangen und hat in einer Zimmerei in Neukirch die Ausbildung absolviert. Als diese Zimmerei aufgeben musste, wechselte er vor knapp anderthalb Jahren nach Titisee-Neustadt. Damals war er schon Teil der Zimmerer-Nationalmannschaft. Wie kam es dazu? „Bei der Gesellenprüfung war ich gar nicht so schlecht und wurde Innungssieger“, grinst Dorer. Auch danach lief es wie am Schnürchen: Kammerwettbewerb gewonnen, Landeswettbewerb gewonnen, Deutsche Meisterschaft gewonnen. „Dann wurde ich gefragt, ob ich in die Nationalmannschaft will. Dort bin ich nun seit zweieinhalb Jahren dabei und trainiere seither kräftig für internationale Wettbewerbe.“ Im April stand die Entscheidung an, wer nach Shanghai zu den WorldSkills fahren darf. „Auch da konnte ich mich glücklicherweise durchsetzen.“
Nun bestehen seine Abende vor allem aus Training. „Ich lerne neue Techniken: Wie geht etwas schneller, wie geht etwas genauer.“ Besonders wichtig findet er für die Ausnahmesituation in China aber auch das Mentaltraining. „Man lernt, wie man sich selbst ein wenig steuert. Wie geht man mit dem Druck um? Wie geht man mit Fehlern um? Das finde ich ganz wichtig.“ Was sieht er als größte Herausforderung bei der Berufsweltmeisterschaft? „Man weiß nicht, welche Aufgabenstellung kommt und wie die Konkurrenz trainiert.“ Mehr als eine halbe Million Zuschauer sind angekündigt. „Mit diesem ganzen Druck umzugehen, das wird auf jeden Fall schwierig.“ In den kommenden Wochen stehen noch zwei Trainings mit der Nationalmannschaft an – eines in Biberach und eines vor Publikum in Berlin – gemeinsam mit Maurern, Fliesenlegern, Stuckateuren, Betonbauern. „Dann baue ich noch ein Modell zuhause – und dann geht der Flieger“, lacht Dorer.
Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.
Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Beratungs- und Bildungszentren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.
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