12. Meggener Rohstofftage: Rohstoffsicherung braucht Strategie, Nachhaltigkeit und Dialog

Welche Bedeutung haben Rohstoffe für Deutschland und Europa? Wie kann die Versorgung langfristig gesichert werden – und wie lassen sich wirtschaftliche Interessen, Umwelt- und Klimaschutz sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung miteinander verbinden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Industry Round Table im Rahmen der 12. Meggener Rohstofftage im Lennestädter Rathaus. Die Meggener Rohstofftage werden veranstaltet von der Bildungsakademie des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler e. V. (BDG), Bonn.

Unter der Moderation von Bianca Derya Neumann, BDG, diskutierten Johanna Sydow, Leiterin des Referats Internationale Umweltpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, Elke Mugova von der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG, Bochum, sowie Sprecherin des BDG-Arbeitskreises Rohstoffgeologie sowie Dr. Christian Kühne vom Think Tank Industrielle Ressourcenstrategien, Baden-Baden, über die Herausforderungen der Rohstoffsicherung. Bürgermeister Tobias Puspas und Dr. Michael Neumann vom BDG, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und unterstrichen die besondere Bedeutung des Themas für Lennestadt, aber auch deutschland- und weltweit: Während der Bergbau in der Region auf eine lange Tradition zurückblicke und heute beispielsweise der Kalk- und Dolomitabbau in Grevenbrück weiterhin eine wichtige Rolle spiele, sei das Bewusstsein für Rohstoffe in der breiten Öffentlichkeit vielerorts weniger präsent.

Rohstoffsicherung als strategische Aufgabe

In der Diskussion wurde deutlich: Deutschland ist keineswegs rohstoffarm. Neben heimischen Lagerstätten für Steine und Erden bestehen auch Potenziale bei verschiedenen metallische Rohstoffe. Gleichzeitig ist Deutschland bei zahlreichen Rohstoffen auf internationale Lieferketten angewiesen. Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben die Bedeutung einer sicheren und resilienten Versorgung gezeigt.

Mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) der Europäischen Union wurden neue Rahmenbedingungen geschaffen. Die Panelisten verwiesen auf bereits angestoßene Projekte und Fördermaßnahmen, sahen jedoch weiterhin Handlungsbedarf bei Genehmigungsverfahren, Verwaltung, Finanzierung, verfügbaren Fachkräften sowie Nachwuchsgewinnung. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten strategische Rohstoffprojekte schneller umgesetzt werden. Gleichzeitig dürften Umwelt- und Sozialstandards nicht aus dem Blick geraten.

Dr. Christian Kühne betonte, dass letztlich Unternehmen über Investitionen entscheiden. Ausschlaggebend sei deshalb, ob Projekte wirtschaftlich tragfähig und verlässlich planbar seien. Neben zeitaufwändigen Genehmigungsverfahren wurden insbesondere die hohen Kosten für Energie und CO2-Ausgleich in Deutschland als wichtige Herausforderungen genannt.

Nachhaltigkeit umfasst mehr als Umweltschutz

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie sich der Rohstoffverbrauch reduzieren lässt. Kreislaufwirtschaft, Recycling und die Rückgewinnung von Rohstoffen können einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig steigt der weltweite Rohstoffbedarf – unter anderem durch Digitalisierung, Energiewende und neue Technologien. Deshalb wird es nach Einschätzung des Panels nicht ausreichen, ausschließlich auf eine Verringerung des Primärrohstoffabbaus zu setzen. Nachhaltigkeit müsse vielmehr ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Auch die Gestaltung internationaler Lieferketten spielt dabei eine zentrale Rolle. Europäische Standards können einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten, dürfen jedoch nicht dazu führen, dass Produktion und Wertschöpfung lediglich in andere Regionen verlagert werden.

Akzeptanz entsteht durch Information und Dialog

Besonders intensiv wurde über die gesellschaftliche Akzeptanz von Rohstoffprojekten gesprochen. Eine sogenannte „Social Licence to Operate“ – also die gesellschaftliche Akzeptanz für ein Projekt – entsteht nicht automatisch. Transparenz und frühzeitige Kommunikation seien deshalb entscheidend.

Dabei müsse nicht nur über mögliche Belastungen und Risiken gesprochen werden, sondern ebenso über Chancen und konkrete regionale Vorteile: Arbeitsplätze, Ausbildung, Infrastruktur und regionale Wertschöpfung. Widerstand gegen Projekte werde es dennoch immer geben. Dieser müsse als Bestandteil demokratischer Entscheidungsprozesse akzeptiert werden.

Als wichtige Ansprechpartner vor Ort wurden insbesondere Kommunalpolitik und Unternehmen genannt. Gleichzeitig brauche es fachlich fundierte Informationen und den Dialog mit Experten. Rohstoffbewusstsein müsse bereits in Schulen geschaffen und durch eine breitere gesellschaftliche Information gestärkt werden.

Internationale Partnerschaften mit konkreten Zielen

Auch die internationale Dimension der Rohstoffversorgung wurde beleuchtet. Rohstoffpartnerschaften müssen abgeschlossen werden, um den nationalen Bedarf zu decken, sollten nach Ansicht der Teilnehmer jedoch mit konkreten Zielen und gegenseitigen Erwartungen verbunden sein. Deutschland und Europa müssten ihre Strategie weiterentwickeln und dabei auch das Potenzial rohstoffreicher Regionen etwa in Afrika und Asien berücksichtigen.

Als zentrale Ergebnisse des Industry Round Table kristallisierten sich schließlich folgende Forderungen heraus: eine klare Rohstoffstrategie für Deutschland und Europa, verlässliche Rahmenbedingungen für die Unternehmen, um nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen die Unternehmen durch eine transparente Kommunikation das Vertrauen oder zumindest die Akzeptanz der Bevölkerung erreichen. Rohstoffsicherung sei eine langfristige Aufgabe, die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Gesellschaft gemeinsam angehen müssen. Der BDG bietet hier seine fachliche und kommunikative Expertise und Mitarbeit an.

Die 12. Meggener Rohstofftage machten damit einmal mehr deutlich: Rohstoffe sind keine abstrakte Größe, sondern Grundlage für Wirtschaft, Infrastruktur und Zukunftstechnologien. Gerade deshalb braucht es mehr Rohstoffbewusstsein, sachliche Information und den Mut, auch schwierige Fragen offen miteinander zu diskutieren und durchzuführen.

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