Warum BI-Tools in der Produktion nicht reichen: MES als Grundlage für OEE, Echtzeit-Daten und operative Steuerung im Shopfloor

Produzierende Unternehmen sammeln heute mehr Daten als je zuvor. Maschinen, Anlagen, Produktionsaufträge erzeugen kontinuierlich Informationen, die theoretisch zur Prozessverbesserung genutzt werden könnten. Studien belegen, dass eine konsequent datengetriebene Fertigung die Produktivität um 20 bis 30 Prozent steigern kann. Dennoch besteht in vielen Unternehmen weiterhin eine deutliche Lücke zwischen verfügbaren Daten und deren tatsächlicher Nutzung.

Tools wie Microsoft Power BI oder Tableau haben sich dabei als feste Größe etabliert. Sie liefern übersichtliche Dashboards, unterstützen Reportings und helfen dem Management, Kennzahlen im Blick zu behalten. Soweit die Theorie, in der Praxis zeigt sich aber häufig: Für die eigentlichen Anforderungen der Produktion reicht das nicht.

Produktionsdaten entstehen in Echtzeit und müssen sofort verfügbar sein, denn ein Maschinenausfall lässt sich nicht im nächsten Monatsreport lösen. Qualitätsprobleme, Engpässe, Stillstandsursachen – das sind operative Fragen, die operative Antworten brauchen. BI-Tools sind dafür nicht gebaut, da sie nicht sehen, was gerade passiert, sondern nur auswerten, was bereits passiert ist.

Hier kommt das Manufacturing Execution System (MES) ins Spiel. Es verbindet die Planungsebene mit dem Shopfloor, erfasst Daten dort, wo sie entstehen, und stellt sie in Echtzeit zur Verfügung. Dadurch werden Prozesse transparenter, Reaktionszeiten kürzer und operative Entscheidungen deutlich schneller möglich.

Was ist ein MES und was unterscheidet es von einem BI-Tool?

Ein Manufacturing Execution System (MES) ist eine Software zur Steuerung, Überwachung und Optimierung von Produktionsprozessen. Es befindet sich zwischen ERP-System und Shopfloor und bildet ab, was in der Fertigung tatsächlich geschieht – in Echtzeit statt im Nachhinein. Maschinendaten, Fertigungsaufträge, Qualitätsinformationen und Personalzeiten werden direkt an der Quelle erfasst, miteinander verknüpft und unmittelbar nutzbar gemacht.

Ein BI-Tool sammelt Daten aus verschiedenen Quellen, bereitet sie auf und stellt sie in Form von Berichten, Dashboards oder Grafiken bereit. Damit unterstützt es das Management bei der Auswertung von Kennzahlen und der Übersicht über Unternehmensdaten. BI-Tools arbeiten jedoch grundsätzlich rückblickend: Sie zeigen, was war. Für den laufenden Produktionsbetrieb und operative Entscheidungen sind sie nicht konzipiert. Gerade dieser Unterschied ist entscheidend: Während BI-Tools Transparenz über das „Was war?“ schaffen, ermöglicht ein MES das „Was passiert jetzt?“ und damit die direkte Handlungsfähigkeit im laufenden Betrieb.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick in die Lebensmittelproduktion.

Praxisbeispiel: FASTEC 4 PRO und Power BI im Zusammenspiel

Ein mittelständischer Lebensmittelhersteller betreibt mehrere Abfüll- und Verpackungslinien. Enger Zeitplan, strenge Hygienevorschriften und kurze Haltbarkeitsfenster lassen kaum Spielraum für ungeplante Ausfälle. Das bestehende Power-BI-Dashboard zeigt: Die Verfügbarkeit einer Abfülllinie lag im vergangenen Monat bei 69 Prozent. Das ist zu wenig. Aber das Dashboard liefert keine Antwort auf die entscheidende Frage: Warum? CIP-Reinigung außerhalb des Plans? Chargenwechsel mit langer Rüstzeit? Rohstoffmangel? Ungeplante Störung? Ohne diese Transparenz bleiben Verbesserungsmaßnahmen spekulativ.

Schritt 1: FASTEC 4 PRO erfasst, was wirklich passiert

Das MES FASTEC 4 PRO ist direkt an die Abfüll- und Verpackungsanlagen angebunden, sodass jeder Maschinenzustand sekundengenau erfasst wird. Das System erkennt, ob eine Linie läuft, stillsteht oder eine Störung vorliegt. Gleichzeitig wird die jeweilige Ursache dokumentiert, beispielsweise CIP-Reinigung, Chargenwechsel, Materialmangel, technische Störung oder geplante Pause. Alle Zustände werden dem laufenden Auftrag und der zugehörigen Charge zugeordnet. Auch Füllmengen, Ausschuss, Füllgewicht und Qualitätsdaten wie die Siegelnahtqualität werden direkt erfasst. Dadurch entsteht eine vollständige und lückenlose Datengrundlage ohne manuellen Aufwand.

Schritt 2: FASTEC 4 PRO bietet umfassende Auswertungen direkt im MES

FASTEC 4 PRO bringt ein umfangreiches Auswertungspaket direkt mit. OEE je Linie, Schicht und Charge, aufgeschlüsselte Verlustzeiten, Schichtprotokolle, Trendberichte, chargenspezifische Qualitätsnachweise – alles ist im System abrufbar, ohne externe Tools. Der Produktionsleiter sieht auf seinem Dashboard, welche Linie gerade zurückfällt und aus welchem Grund. Das reicht für den operativen Alltag, sodass ein BI-Tool an dieser Stelle nicht notwendig ist. Auch regulatorische Anforderungen, die speziell bei Lebensmittelherstellern hinzukommen wie Chargenrückverfolgbarkeit und Hygienedokumentation werden direkt im MES erfüllt.

Schritt 3: Power BI für Management und unternehmensweite Analysen

Power BI wird relevant, wenn MES-Daten über den Shopfloor hinausgedacht werden sollen. FASTEC 4 PRO stellt über eine standardisierte Datenbankanbindung saubere, strukturierte Kennzahlen bereit. Power BI kann diese dann mit ERP-Daten zusammenführen, um beispielsweise Produktionskosten je Charge sichtbar zu machen, OEE-Werte standortübergreifend zu vergleichen oder Qualitätstrends über mehrere Werke hinweg darzustellen. Für die Geschäftsführung, die Kennzahlen aus verschiedenen Quellen in einer Oberfläche sehen möchte, ist das ein echter Mehrwert. Für die operative Steuerung der Produktion ist dies jedoch nicht notwendig.

Das Fazit: Zwei Werkzeuge, die sich ergänzen und nicht ersetzen

FASTEC 4 PRO funktioniert als MES und bietet Auswertungen, die direkt für den Produktionsalltag gemacht sind. Power BI ist keine Pflicht, sondern eine Option, die dann sinnvoll ist, wenn MES-Daten mit anderen Unternehmensdaten kombiniert oder für das Management aufbereitet werden sollen. Wer allerdings glaubt, mit einem BI-Tool allein die Produktion im Griff zu haben, analysiert auf dünnem Eis. Die Datenbasis, die gute Auswertungen braucht, entsteht im MES und nicht im Reporting-Tool darüber.

Zusammenfassung: Was MES und BI-Tool leisten und was nicht

MES oder BI-Tool ist die falsche Frage. Richtig ist: Was leistet welches System und für wen?

Das MES ist die operative Grundlage. Es erfasst, was in der Produktion passiert, stellt umfangreiche Auswertungen für den täglichen Betrieb bereit und schafft die Datengrundlage, auf der alles andere aufbaut. Das BI-Tool erweitert diese Basis um übergreifende Analysen und Management-Reporting. Besonders sinnvoll ist das, wenn Produktionsdaten mit ERP- oder Unternehmensdaten zusammengeführt werden sollen. Beide Systeme erfüllen unterschiedliche Aufgaben, eines ersetzt das andere nicht.

Aber ohne MES fehlt dem BI-Tool das Fundament.

Betriebe, die ihre Produktion heute noch ausschließlich über BI-Dashboards beobachten, sehen immer nur einen Teil des Bildes. Sie erkennen zwar, dass ein Problem besteht, aber häufig nicht dessen Ursache. Belastbare Produktionsdaten entstehen nicht im Reporting-Tool, sondern direkt in der Fertigung. Wer das versteht, erkennt schnell: Der erste Schritt ist das MES. Alles Weitere baut darauf auf.

Über die FASTEC GmbH

Die FASTEC GmbH mit Sitz in Paderborn beschäftigt mehr als 90 Mitarbeitende. Der Anbieter von intelligenten Lösungen für die produzierende Industrie begleitet seit 1995 seine Kunden auf dem Weg zur digitalen Transformation. Das Unternehmen versteht sich als Lösungspartner für die Fabriken der Zukunft. Weltweit ist das modulare Manufacturing Execution System (MES) FASTEC 4 PRO bei rund 400 Unternehmen im Einsatz. Zu den namhaften Kunden gehören unter anderem Lebensmittelproduzenten, Pharmaunternehmen, Automobilzulieferer und Spielwarenhersteller. Durch die ganzheitliche Digitalisierung der Produktion optimieren sie ihre Arbeitsabläufe und senken ihre Kosten nachhaltig. Das System bietet Funktionen zur Maschinen- und Betriebsdatenerfassung, Produktionsplanung, Instandhaltung, Qualitätssicherung und Traceability. Weitere Informationen unter: www.fastec.de.

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