
Herr Dr. Schröer, warum steht das Thema Umweltschutz aktuell so stark im Fokus vieler Unternehmen?
Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel in nahezu allen industriellen Bereichen. Unternehmen befinden sich mitten in einer Transformation, die weit über klassische Umweltauflagen hinausgeht. Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Bestandteil moderner Unternehmensstrategien.
Früher wurde betrieblicher Umweltschutz häufig vor allem als Pflichtaufgabe verstanden – also als notwendige Erfüllung gesetzlicher Anforderungen. Heute erkennen immer mehr Unternehmen, dass nachhaltige Prozesse erhebliche wirtschaftliche Potenziale bieten. Es geht inzwischen um Ressourceneffizienz, Versorgungssicherheit, stabile Produktionsprozesse, Risikominimierung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Hinzu kommen steigende Anforderungen von Kunden, Investoren, Behörden und der Gesellschaft insgesamt. Unternehmen müssen heute deutlich transparenter darstellen, wie sie mit Energie, Ressourcen, Emissionen oder Gefahrstoffen umgehen. Gleichzeitig verändert sich auch die Erwartungshaltung innerhalb der Belegschaften. Mitarbeitende möchten zunehmend in Unternehmen arbeiten, die Verantwortung übernehmen und Zukunftsthemen aktiv gestalten.
All diese Entwicklungen führen dazu, dass Nachhaltigkeit und Umweltmanagement heute auf Vorstandsebene angekommen sind.
Bedeutet das, dass Umweltschutz inzwischen auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor geworden ist?
Absolut. Genau darin liegt einer der wichtigsten Veränderungen der letzten Jahre. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit werden heute oft noch fälschlicherweise als Gegensätze betrachtet. In der Praxis sehen wir jedoch zunehmend das Gegenteil.
Unternehmen, die Umweltmanagement intelligent organisieren, profitieren häufig von effizienteren Prozessen, geringeren Material- und Energiekosten sowie einer höheren Stabilität ihrer Abläufe. Gleichzeitig reduzieren sie Risiken – beispielsweise im Hinblick auf regulatorische Anforderungen, Haftungsthemen oder Lieferkettenprobleme.
Betrieblicher Umweltschutz darf deshalb heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Unternehmen müssen Nachhaltigkeit so integrieren, dass daraus gleichzeitig Effizienz, Akzeptanz und wirtschaftlicher Nutzen entstehen.
Genau dieser Gedanke steht auch im Mittelpunkt unserer Veranstaltung „Beauftragte im Umweltschutz“. Wir möchten zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht Verzicht bedeutet, sondern Innovation, Zukunftsfähigkeit und Produktivität fördern kann.
Viele Unternehmen empfinden neue Umweltanforderungen dennoch als Belastung. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?
Natürlich bringen neue gesetzliche Vorgaben zunächst zusätzlichen Aufwand mit sich. Themen wie ESG-Berichterstattung, Klimastrategien, Gefahrstoffmanagement oder PFAS-Regulierungen stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.
Die eigentliche Schwierigkeit liegt jedoch häufig weniger in den technischen Anforderungen selbst, sondern vielmehr in der organisatorischen Umsetzung. Unternehmen müssen Nachhaltigkeit in bestehende Prozesse integrieren, Verantwortlichkeiten klar definieren und Mitarbeitende aktiv einbinden.
Genau hier entstehen oft Unsicherheiten: Wie lassen sich Umweltmaßnahmen effizient umsetzen? Wie schafft man Akzeptanz innerhalb des Unternehmens? Wie verhindert man, dass Nachhaltigkeit lediglich als zusätzlicher bürokratischer Aufwand wahrgenommen wird?
Unsere Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen Nachhaltigkeit nicht isoliert behandeln, sondern als Bestandteil ihrer gesamten Unternehmensentwicklung verstehen. Sobald Mitarbeitende erkennen, dass nachhaltige Prozesse auch ihren Arbeitsalltag verbessern, steigt die Akzeptanz deutlich.
Akzeptanz entsteht immer dann, wenn Mitarbeitende erkennen, dass nachhaltige Maßnahmen nicht nur der Umwelt dienen, sondern auch Prozesse vereinfachen, Transparenz schaffen und langfristig Sicherheit geben.
Welche Rolle übernehmen Umweltbeauftragte in dieser Entwicklung?
Die Rolle der Umweltbeauftragten hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Früher standen häufig Kontroll- und Dokumentationsaufgaben im Vordergrund. Heute übernehmen Umweltbeauftragte zunehmend strategische Funktionen.
Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Technik, Produktion, Recht, Management und Nachhaltigkeit. Sie koordinieren Prozesse, bewerten Risiken, begleiten Veränderungen und sorgen dafür, dass Unternehmen regulatorisch sicher und gleichzeitig wirtschaftlich effizient arbeiten können.
Damit werden Umweltbeauftragte zu wichtigen Treibern der Transformation. Sie helfen Unternehmen dabei, nachhaltige Prozesse nicht nur einzuführen, sondern dauerhaft erfolgreich zu etablieren.
Gerade deshalb ist Weiterbildung in diesem Bereich so wichtig. Die Anforderungen entwickeln sich enorm dynamisch weiter. Unternehmen benötigen Fachkräfte, die nicht nur gesetzliche Vorgaben kennen, sondern Nachhaltigkeit strategisch denken können.
Genau an diesem Punkt setzt die Veranstaltung des Hauses der Technik an?
Ganz genau. Mit unserer Veranstaltung „Beauftragte im Umweltschutz“ schaffen wir eine Plattform, auf der aktuelles Fachwissen, regulatorische Entwicklungen und praktische Erfahrungen zusammengeführt werden.
Uns ist wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur theoretisches Wissen erhalten, sondern konkrete Lösungsansätze für ihren betrieblichen Alltag mitnehmen können.
Wir behandeln aktuelle Themen wie:
• PFAS und neue regulatorische Entwicklungen
• Gefahrenabwehrplanung und Krisenmanagement
• nachhaltige Organisation von Produktionsprozessen
• moderne Umweltmanagementsysteme
• Gefahrstoff- und Abfallmanagement
• Schnittstellen zwischen Umwelt-, Energie- und Sicherheitsmanagement
• ESG-Anforderungen und nachhaltige Unternehmensstrategien
Dabei bringen wir Fachleute aus Industrie, Behörden und Beratung zusammen. Gerade dieser interdisziplinäre Austausch ist enorm wertvoll, weil Unternehmen voneinander lernen können.
Welche Bedeutung hat Weiterbildung insgesamt für die nachhaltige Transformation?
Eine sehr große. Weiterbildung ist aus meiner Sicht einer der entscheidenden Schlüssel für erfolgreiche Veränderungsprozesse.
Technologien entwickeln sich weiter, regulatorische Anforderungen verändern sich ständig und auch gesellschaftliche Erwartungen steigen kontinuierlich. Unternehmen benötigen deshalb Mitarbeitende, die Entwicklungen frühzeitig verstehen und aktiv gestalten können.
Nur wer Wissen vermittelt, kann Veränderungen dauerhaft und erfolgreich im Unternehmen verankern.
Das Haus der Technik sieht seine Aufgabe deshalb nicht nur in der Wissensvermittlung, sondern auch darin, Orientierung zu geben und Unternehmen bei der Transformation aktiv zu begleiten.
Wohin entwickelt sich der betriebliche Umweltschutz in den kommenden Jahren?
Die Bedeutung nachhaltiger Unternehmensprozesse wird weiter deutlich zunehmen. Unternehmen werden künftig noch stärker danach bewertet werden, wie effizient, ressourcenschonend und verantwortungsvoll sie wirtschaften.
Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit immer stärker mit wirtschaftlicher Stabilität verbunden sein. Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcensicherheit oder resiliente Lieferketten werden entscheidende Wettbewerbsfaktoren.
Die Zukunft industrieller Wettbewerbsfähigkeit liegt in intelligenten, nachhaltigen und effizienten Prozessen. Unternehmen, die frühzeitig handeln und Nachhaltigkeit strategisch integrieren, werden langfristig klare Vorteile haben.
Die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit ist längst keine Vision mehr. Moderne Unternehmen beweisen bereits heute, dass ökologische Verantwortung und produktives Arbeiten hervorragend zusammenpassen.
Herr Dr. Schröer, vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen zur Veranstaltung:
„Beauftragte im Umweltschutz“
Haus der Technik e.V.
https://www.hdt.de/beauftragte-im-umweltschutz-1338
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