
Im Interview erläutert Jörg von der Heydt, Regional Director DACH bei Bitdefender, warum digitale Souveränität in der Cloud kein Widerspruch ist und wie sich der Weg aus der Abhängigkeit gestalten lässt.
Herr von der Heydt, was war für Sie ein Schlüsselerlebnis, welches Ihnen klar machte: Wir in Deutschland oder in der EU sind nicht mehr digital souverän?
Jörg von der Heydt: Seit Jahren betonen IT-Experten immer wieder, dass eine stärkere digitale Unabhängigkeit zwingend erforderlich ist. Der Fall des von digitalen Prozessen ausgesperrten französischen Richters am Internationalen Strafgerichtshof Nicolas Gillou mag nur ein prominentes Beispiel sein – er hat aber aufgezeigt, wie schnell und einfach eine Souveränität im Digitalen entzogen ist.
Die aktuellen geopolitischen Umwälzungen erhöhen die Dringlichkeit des Problems. Corona, der Ukraine-Konflikt und aktuell der Krieg im Iran veranschaulichen überdeutlich, dass die digitale Supply Chain, die auch auf die Cloud angewiesen ist, hierzulande alles andere als unabhängig funktioniert. Die den einzelnen Gliedern der Lieferkette zugrundeliegenden Prozesse sind dabei alle in gleicher Weise bedeutsam. Fallen nur einzelne Elemente aus, ist der gesamte Ablauf gefährdet.
Die Funktion des Gesamtablaufs hängt vom abhängigsten Glied ab. Dies gilt für Produkte ebenso wie für Dienste. Digitale Souveränität sowohl lokal wie in der Cloud ist das Gebot der Stunde. Als europäischer Anbieter von Cybersicherheitslösungen, einem zentralen Glied der digitalen Lieferkette, lag es für uns schon länger sehr nahe, Partnerschaften mit europäischen Cloud-Providern zu suchen. Mit ihnen möchten wir erreichen, dass Unabhängigkeit keine Utopie bleibt, sondern eine realistische Möglichkeit wird.
Wie groß ist der Nachholbedarf in Sachen Unabhängigkeit in Deutschland und in der Europäischen Union – bei Technologien, im Markt, beim Personal?
Jörg von der Heydt: Fortschritte auf dem Weg zu digitaler Souveränität sind kaum sichtbar. Deutschland kommt zu langsam voran, während echte Alternativen vielfach fehlen. Dabei ist die technologische Basis längst vorhanden. Was bremst, sind gewachsene Abhängigkeiten und die tiefe Verflechtung mit Diensten und Tools, die den Anspruch europäischer oder deutscher Souveränität schlicht nicht erfüllen. Gleichzeitig verschärft der massive Fachkräftemangel in der Cybersicherheit das Problem – und macht digitale Souveränität in der Praxis zur Ausnahme statt zur Regel.
Digitale Souveränität ist zentral für Industrie und Gesellschaft. Was heißt aber digitale Souveränität in der Cloud?
Jörg von der Heydt: Eigentlich sollte dies inzwischen bei jedem angekommen sein. Das BSI hat dazu bereits deutlich Stellung bezogen und sieht nun alle in der Pflicht, Souveränitätsanforderungen umzusetzen.
Aber vielen ist unklar, wie digitale Souveränität realisiert wird, wie entsprechende Compliance-Anforderungen eingehalten werden können und ob dies auch in der für viele Unternehmen nicht mehr wegdenkbaren Cloud möglich ist. Gerade viele Angebote, aber auch Diskussionen rund um ein, zum Teil zu Recht kritisiertes, Sovereignty Washing verunsichern die IT-Entscheider.
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