Lösungen statt Schwarzmalerei

Großer Zuspruch, hochaktuelle Themen und konkrete Lösungen: Die Fachtagung Bauwerksdiagnose 2026 in Münster zeigte eindrucksvoll, wie praxisnah moderne ZfP im Bauwesen heute ist und warum es berechtigten Optimismus für Deutschlands Infrastruktur gibt.

Fachtagung erstmals seit 2002 außerhalb Berlins

Die Fachtagung Bauwerksdiagnose fand erstmals seit 2002 außerhalb von Berlin in Münster statt. Eine Entscheidung zum Wechsel des Austragungsorts, die sich nicht zuletzt aufgrund der großen Anmeldezahl von mehr als 130 Personen, als richtig erwiesen hat.

Ein so großer Zuspruch zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Deutschland – Land der bröckelnden Brücken?“ im bevölkerungsreichsten Bundesland und zugleich einem Bundesland mit erheblichen Einschränkungen durch schadhafte Infrastruktur ist kein Zufall. Auch die FH Münster präsentierte sich als hervorragender Gastgeber in einer wunderschönen Stadt mit freundlichen und zahlreichen Rad fahrenden Menschen. Auch jenseits der Veranstaltung haben sich alle Teilnehmenden in Münster sehr wohlgefühlt.

Praxisorientierung statt Pessimismus

Auch wenn das Motto der Fachtagung den vielzitierten und inzwischen etwas abgenutzten Begriff der „Bröckelbrücken“ aufgriff, wurde hier keine Schwarzmalerei betrieben. Stattdessen standen Lösungen für eine Vielzahl drängender Probleme im Fokus.

Die Bauwerksdiagnose war selten so praxisorientiert wie im Jahr 2026. Teilnehmende konnten mit einer klaren Botschaft nach Hause gehen: „Es gibt Hoffnung.“ Entscheidend ist, die vorgestellten Lösungen konsequent in die Anwendung zu bringen.

Forensische Analysen liefern neue Erkenntnisse

Bereits der erste Vortrag zur Bau-Forensik sorgte für große Aufmerksamkeit. Ralmo Bode von der Leibniz-Universität Hannover zeigte eindrucksvoll, welche zusätzlichen Erkenntnisse sich gewinnen lassen, wenn neben dem sichtbaren Spektrum auch IR- und UV-Bereiche ausgewertet werden.

Forensische Ansätze spielten auch in weiteren Beiträgen eine zentrale Rolle. Gino Ebell zeigte im Kontext der eingestürzten Carolabrücke, dass historische Daten aus den 1980er-Jahren zu Schwefelkonzentrationen in der Atmosphäre und Wetterdaten zu Tauwasserbildung den Schlüssel zu den vorhandenen und mit eingebauten Frühschäden an den Hennigsdorfer-Spannstählen geliefert haben. Nachgestellte Versuche beweisen, warum die induzierten Schäden besonders in den Hochpunkten und an der Oberseite der Spannglieder zu beobachten waren.

Simon Knapp (Ingenieurbüro Prof. Hillemeier) verdeutlichte, dass das langjährig etablierte und von der DGZfP in einem Positionspapier beschriebene Verfahren der magnetischen Spanndrahtbruchortung wertvolle Beiträge liefern kann, ob bereits Spanndrähte gerissen sind.

Die vollständige Rekonstruktion des Einsturzes der Carolabrücke am 11. September 2024 präsentierte David Czeschka aus dem Büro von Prof. Marx, der eng in die Aufklärung eingebunden war. Ergebnisse von Ringversuchen, vorgestellt von Jochen Kurz und Alexander Sandmann, zeigten zudem, dass die magnetische Spannstahlbruchortung inzwischen auch bei der Deutschen Bahn etabliert ist.

Einblicke in Bauwerke von gestern

Den Blick in historische Bauwerke eröffneten Christian Große und Dietmar Mähner. Während Große Erkenntnisse zu den Pyramiden von Gizeh – Bauwerke von über 4.000 Jahren – präsentierte, widmete sich Mähner Tunnelbauwerken aus dem vorletzten Jahrhundert.

Die Erkenntnisse mit Hilfe der ZfPBau aus dem Mauerwerk liefern dabei aufschlussreiche Einblicke. Die Untersuchungen zu den Pyramiden fanden dank Christian Große sogar Eingang in die Tagesthemen – weitere Erkenntnisse sind zu erwarten.

Herausforderungen im Bestand meistern

Aktuelle Herausforderungen im Bestand wurden von Andreas Hasenstab, Katrin Hupfer und Frauke Sippel beleuchtet.

Am Beispiel „Schubverstärkung am Weidetorkreisel Hannover – Spanngliedortung am Rande des Möglichen“ wurde eindrucksvoll gezeigt, welche „Unmöglichkeiten“ im Bestand auftreten können – und wie sich selbst komplexe Probleme erfolgreich lösen lassen.

Praxisanwendungen mit direktem Nutzen

Die Session „Praxisanwendungen“ machte ihrem Namen alle Ehre.

Die von Annika Schimkus vorgestellten Ergebnisse mit dem LIBS-Verfahren als Erweiterung der klassischen Baustoffanalyse können von Anwender*innen durch die verfügbaren Dienstleistungen (Eindringprofile im mm-Raster zu Chlor und Schwefel auch im Bereich von Rissen; Multielementanalysen als „Elementkarten“) sofort angewendet werden.

Gleiches gilt für die Röntgen-Untersuchungen von Sebastian Schulze an Beton. Der „Patient“ Bauwerk wird wie in der Medizin durchleuchtet – millimetergenaue Erkenntnisse zum Bewehrungsdurchmesser und Querschnittsverlusten gibt es quasi „auf Rezept“ – man muss nur mal beim „Facharzt“ für Radiologie anfragen.

Praxisberichte ergänzten das Programm: Andrea Müller von Implenia, dem vermutlich letzten deutschen Baukonzern, der ZfPBau selbst anwendet, schilderte die Herausforderung, eine Brücke sperren zu müssen, die zugleich eigene Arbeitsprozesse einschränkt.

Fabian Malm (Stadtwerke München) gewährte exklusive Einblicke in den „Münchner Untergrund“. Mit über 100 U-Bahnhöfen und rund 400 Teilbauwerken ist die ZfPBau dort fest etabliert.

Christian Sodeikat stellte zudem „Hidden Champions“ vor – Verfahren aus der zweiten Reihe mit hoher praktischer Relevanz, etwa Rautiefenmessung, Porensuchgeräte nach DIN 55670 oder Messungen der Rutschhemmung.

Digitale Entwicklungen im Fokus

In der Session „Neue Entwicklungen“ standen aktuelle Trends im Mittelpunkt: Digitaler Zwilling, BIM (aber as-built und nicht as-planned), Datenmanagement und Machine Learning.

Martin Friese, Daniel Algernon und Stefan Küttenbaum präsentierten diese Themen überzeugend, teilweise auch in Kombination. Es ist davon auszugehen, dass einige dieser Ansätze bereits bei kommenden Fachtagungen unter den Praxisanwendungen zu finden sein werden.

Ausblick: Bauwerksdiagnose 2028 in München

Derzeit reicht der Blick bis 2028: Neben dem Fußball wird auch die Fachtagung Bauwerksdiagnose dann in München stattfinden, wie in 2026 wieder „erstklassig“ und dann mit Christian Große als „Hausherr“.

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