
AI House Davos 2026: Internationale Expertinnen und Experten diskutieren die Zukunft der Künstlichen Intelligenz.
- „A Human Intelligence Shift“: KI ersetzt den Menschen nicht; menschliche Intelligenz bleibt zentral und muss neu definiert werden.
- Power Triangle Heilbronn–München–Zürich: Institutionsübergreifende Zusammenarbeit zwischen TUM, ETH Zürich und dem Heilbronner Ökosystem als Schlüssel für Innovation.
- Kooperation und gemeinsame Strategie: Fortschritt entsteht durch die Balance aus Wettbewerb, Zusammenarbeit und einer gemeinsamen Vision.
- Human in the Loop: Menschliche Entscheidungshoheit ist Voraussetzung für vertrauenswürdige, verantwortungsvolle KI.
Während beim Weltwirtschaftsforum in Davos Staats- und Regierungschefs aus aller Welt über aktuelle geopolitische Fragen debattierten, trafen sich in unmittelbarer Nähe internationale Expertinnen und Experten beim AI House Davos 2026. Forschende, Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik sowie Start-up-Gründerinnen und -Gründer diskutierten dort ein Thema in seinen unterschiedlichsten Facetten, das die Welt von morgen prägen wird wie kaum ein anderes: Künstliche Intelligenz. Das strategische Leitthema des AI House Davos 2026 „A Human Intelligence Shift“ machte deutlich, dass KI den Menschen nicht ersetzen kann. Vielmehr müsse menschliche Intelligenz gerade in stark technologiegeprägten Zeiten besonders wertgeschätzt, neu definiert und in eine produktive Beziehung zur KI gesetzt werden.
Bereits zum dritten Mal war die Technische Universität München (TUM) vertreten – diesmal mit den führenden Köpfen der Exzellenzuniversität: TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann, Prof. Ali Sunyaev (Vizepräsident TUM Campus Heilbronn), Prof. Helmut Schönenberger (TUM-Vizepräsident Entrepreneurship und CEO UnternehmerTUM), Prof. Sebastian Müller (Professor für Finance am TUM Campus Heilbronn), Prof. Alexander Fraser (Professor für Data Analytics & Statistics am TUM Campus Heilbronn) und Dr. Philipp Gerbert (Hauptgeschäftsführer TUM Venture Labs und Vorstandsmitglied bei appliedAI).
Balance aus Wettbewerb und Zusammenarbeit
Beim Roundtable „Beyond Borders: How Regional Ecosystems Empower Societies to Co-Create AI Futures“ diskutierten die Expertinnen und Experten unter der Moderation von Dr. Frauke Goll, Geschäftsführerin der appliedAI Institute for Europe gGmbH, wie regionale Ökosysteme gemeinsam die Zukunft der KI gestalten können. Im Fokus stand die institutionsübergreifende Zusammenarbeit im neuen wissenschaftlichen Exzellenz-Dreieck Heilbronn–München–Zürich, das als „Power Triangle“ bezeichnet wurde. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei das Ökosystem Heilbronn, in dem TUM und ETH Zürich – gefördert von der Dieter Schwarz Stiftung – gemeinsam ihre Stärken einbringen.
„If you want to go fast, go alone, if you want to go far, go together“, zitierte Prof. Ali Sunyaev, Vizepräsident TUM Campus Heilbronn, ein afrikanisches Sprichwort und brachte damit auf den Punkt, dass nur institutionsübergreifende Kooperationen das Heilbronner Ökosystem nachhaltig stärken können. Prof. Gunther Friedl, Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung, betonte, dass das Erfolgsrezept in der richtigen Balance aus gesundem Wettbewerb und Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen liege. Dr. Philipp Gerbert wies darauf hin, dass in Europa bislang aus exzellenter Forschung zu wenige Start-ups hervorgehen – eine Kluft, die sich insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz zeigt.
Prof. Thomas F. Hofmann sah den Mangel in einer häufig fehlenden gemeinsamen Zukunftsstrategie. Prof. Helmut Schönenberger stimmte zu und betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen Story wie im Silicon Valley. Um aufzuholen und zum Motor der Innovation zu werden, müsse man mehr Menschen einbinden, sagte Prof. Alexander Fraser. Das sei nur durch Open-Source-Modelle möglich.
Vertrauen als Grundvoraussetzung
Der Dialog zwischen TUM und ETH Zürich setzte sich beim Panel „Inclusive Intelligence: Empowering Societies to Shape AI“ mit Prof. Thomas F. Hofmann und ETH-Zürich-Präsident Prof. Joël Mesot unter der Moderation von Spriha Srivastava, Vice President & Executive Editor Digital for CNBC International, fort. Vertrauen sei die Grundvoraussetzung für eine inklusive KI, sagte Prof. Hofmann. Es sei notwendig, herauszufinden, mit welchen Methoden und Werkzeugen sie erreicht werden könne. Große Hoffnungen setze er in die junge Generation, die aktiv für eine inklusive KI eintrete.
Chancen nutzen, Risiken minimieren
Dass neue Technologien sowohl Chancen als auch Risiken bergen, wurde auch beim Roundtable „Asset Management in the Age of Agentic AI“ deutlich, den Prof. Sebastian Müller moderierte. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass KI künftig eine herausragende Rolle in der Finanzbranche spielen wird. Schon heute wird sie in der Dokumentenverarbeitung und -zusammenfassung, der Stimmungsanalyse von Geschäftsberichten sowie bei Recherchen eingesetzt und sorgt für höhere Effizienz, bessere Produkte, niedrigere Kosten und eine stärkere Einbindung von Investorinnen und Investoren.
Gleichzeitig könne die Nutzung identischer KI-Tools durch zu viele Akteure zu gefährlichem Herdenverhalten führen und insbesondere jüngere Beschäftigte den Job kosten. Zudem bestehe die Gefahr, dass hochentwickelte KI-Systeme eigenständig wirtschaftliche Aktivitäten entfalten und sogar Wirtschaftskrisen auslösen könnten. Hinzu kämen Verzerrungen in den Modellen sowie geopolitische Machtinteressen, die eine stärkere Regulierung erschwerten.
Wie der Mensch relevant bleibt
Einigkeit bestand darin, dass der Königsweg „Human in the Loop“ lautet: Nur wenn der Mensch die relevanten Entscheidungen trifft und die Perspektive der Kundinnen und Kunden im Blick behält, lassen sich Chancen nutzen und Risiken begrenzen. Gerade die stark datengetriebene Finanzbranche könne hier eine Vorreiterrolle übernehmen und als Blaupause für andere Sektoren dienen.
Die Diskussionen im AI House Davos 2026 haben gezeigt, dass zukunftsfähige KI nur durch grenzüberschreitende Kooperation entstehen kann. Der Mensch darf sich nicht zurücklehnen, sondern muss seine Rolle aktiv neu definieren, um zentraler Akteur zu bleiben – ganz im Sinne des Mottos „A Human Intelligence Shift“. Die TUM nimmt viele Impulse aus Davos mit und wird auch künftig gerne zurückkehren, um den Dialog fortzusetzen und gemeinsam die KI von morgen zu gestalten.
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